Mittwoch, 14. Dezember 2011

Fensterbild

Zu Weihnachten verschenke ich ein Fensterbild. Das ist ein Kaufmuster. Ich zeig Euch kurz, wie man Fensterbilder oder auch sämtliches Lace stickt, damit es auch schön steif bleibt und glatt.

Also erst einmal auswaschbares Stickvlies in den Rahmen spannen. Am besten zwei oder drei Lagen, und zwar nicht das, das wie Folie ist (also Avalon zum Beispiel in den verschiedenen Stärken), sondern Avalon PLUS, das ist wie Stoff, läßt sich aber auswaschen. Es gibt auch Solvy fabric, das ist genauso. Das verzieht sich nämlich nicht, auch bei vielen Stichen.

Das Folienzeugs verzieht sich bei vielen Stichen, auch wenn es nicht reißt. Das Ganze darf sich nicht einmal minimal verziehen. Ich hatte das Bild zuerst mit zwei Lagen Avalon gestickt, da zeig ich Euch unten noch ein Bild, man sieht, wenn ich das minimal verschiebt, was dann passiert.

Also hier zuerst einmal das fertig gestickte Bild, immer noch eingespannt im Rahmen, wie es aus der Maschine kommt.


Danach heißes Wasser in eine größere Schüssel (ich hab es in eine große Bratpfanne gemacht) geben. Möglichst heiß, nicht kochend, am besten so heiß, wie es am heißesten aus dem Wasserhahn kommt. Denn je heißer das Wasser ist, desto schneller löst sich das Vlies auf.

Wenn das Wasser also relativ heiß ist, muß man das Bild nur kurz reinlegen, nicht kneten, auf keinen Fall und auch nicht drücken. Man sieht dann ganz schnell, daß man nur noch das Bild vor sich hat, kein Vlies mehr. Dann ganz schnell raus aus dem Wasser, es soll nämlich noch so viel wie möglich von der Vlies-Substanz im Gestickten bleiben, das gibt dann Stabilität.

Das Vlies ist praktisch verstofflichte Bügelstärke. Man kann z.B. auch Stücke von dem Vlies, die übrig sind und sich nicht mehr einspannen lassen, sammeln und in Wasser auflösen. Dann kann man die zum Bügeln verwenden statt Sprühstärke. Ok, zurück zum Bild.

Wenn man das dann aus dem Wasser gezogen hat, sofort auf ein Handtuch legen, schön glatt, nicht drücken, auf gar keinen Fall. Dann ein  zweites Handtuch drüber und am besten ein Buch oder Brett oder so was drauf, damit das Platt gedrückt wird.

Das Ganze dann aber nicht etwa über Nacht so stehen lassen, sonst klebt die Stärke das Bild am Handtuch fest. Nach einer halben Stunde oder so vorsichtig die Handtücher lösen und dann nochmal das Bild zwischen zwei Handtücher, die trocken sind, oder Microfasertücher legen, dann wieder was zum Beschweren drauf, muß nicht sehr schwer sein, nur daß sich nichts wellt oder hochbiegt.

Im schlimmsten Fall kann man das Bild, wenn es trocken ist, noch bügeln (am besten von links), damit es ganz glatt bleibt.

Wenn man alles richtig gemacht hat, kommt dann das raus, was auf dem folgenden Bild zu sehen ist. Der rotbraune Hintergrund ist meine Couch. Es ist also kein Vlies oder irgendwas mehr vorhanden, und das Bild ist relativ hart. Man kann es jetzt gut ins Fenster hängen.

Wer es ganz perfekt machen will, kann auch in der Spule den gleichen Faden nehmen wie oben. Ich zeig nachher gleich ein Bild von hinten, denn ich hab in die Spule normalen Unterfaden rein gemacht. Das Bild wird sowieso nur von innen angeschaut, da wo es hinkommt. Die Wohnung liegt relativ weit oben, so daß von außen keiner hinschaut. Da lohnte sich das nicht mit dem Unterfaden - sind ja ein Haufen Stiche.

Aber wenn Ihr wollt, daß man das Bild schön von der Straße aus sieht und auch von innen von der Wohnung, dann am besten den Unterfaden in der gleichen Farbe wie die Stickerei. Allerdings sieht man trotzdem, was links und rechts ist. Die linke Seite ist nie so schön wie die rechte. Von weitem wirkt es aber schon wie zwei rechte Seiten.

Ok, jetzt hier mal endlich das Bild vom fertigen Fensterbild



Auf dem Folgebild seht Ihr die Rückseite, wenn man überall normalen Unterfaden nimmt. Finde das nicht einmal schlecht so.


Hier kommt gleich etwas weiter unten noch ein Bild - ich habe es oben erwähnt - wenn man zuwenig Stickvlies einspannt. Ich hatte da nur zwei Lagen eingespannt. Dadurch daß die Maschine bei Lace oder auch Fensterbildern so oft immer wieder übereinander stickt und auch der Satin dann sehr dicht ist, wird das Vlies perforiert. Wenn man da nicht genug Lagen hat und es sich nur MINIMAL verschiebt, dann passiert so was:

Bei den Bögen  werden zuerst Steppstiche gestickt,später der Satin drüber. Durch das leichte Anreißen des Vlieses hat sich alles etwas nach rechts verschoben, so daß beim Sticken vom Satin rechts an den Bögen eine Reihe Steppstiche rausgeguckt hat, die Bögen waren dann nicht so glatt wie bei der gelungenen Stickerei oben.

Ich habe dann mit einem kleinen Scherchen das, was da rausgelottelt hat abgeschnitten, aber perfekt ist es trotzdem nicht. Ihr seht die Pfeile, die zeigen auf diese Stellen. Das ist überall bei den Bögen, daß die Steppunterlage an der Seite rausschaut. Und wenn dann das Vlies weg gewaschen ist, sieht das bißchen aus wie Spinnweben. Bevor ich das abgeschnitten habe, sah es noch komischer aus.

Also NEHMT LIEBER EINE LAGE VLIES ZUVIEL ALS ZUWENIG.




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